Dienstag, 9. Januar 2018

UP TO DATE


Nachdem ich in den letzten Tagen immer nur schnell ein paar Instagram-Beiträge geschrieben und auf Facebook geteilt habe, habe ich es heute tatsächlich mal wieder an den PC geschafft.

Ich hab mir vorhin nämlich überlegt, dass ich euch mal eine kleine Zusammenfassung schreibe, was hier in Bezug auf Miss Motti in letzter Zeit so passiert ist. Denn wie ihr wisst, ist es mir eine Herzensangelegenheit, ein bisschen Aufklärung über das Leben mit Down-Syndrom zu betreiben.

Miss Motti wird am 16. Januar 5 Monate alt. Wir haben uns sehr gut eingegroovt. Das Stillen klappt mittlerweile super und wir beide genießen es sehr. Seit einer Weile schon lacht die kleine Dame ganz viel, manchmal kommt sogar ein Gackern mit raus. Das ist meeeega niedlich. 💓 Im "Gespräch" mit mir antwortet sie auch schon ganz rege. Der "Singsang", den ich euch zuletzt per Video gezeigt habe, ist allerdings neu. Dafür sehr laut, anhaltend und fast den ganzen Tag. 😊 Und ihr habt recht, es gibt keinen schöneren Wecker!

 

Seit Miss Motti 2 Monate alt ist bekommt sie Physiotherapie zur Unterstützung ihrer motorischen Entwicklung. Hier hatte ich darüber schon mal geschrieben. Gerade arbeiten wir an der Drehung vom Rücken auf den Bauch, was teilweise schon echt gut klappt. Die Therapeutin arbeitet nach den Konzepten von Vojta und Bobath.


Schon kurz nach der Geburt haben wir einen Behindertenausweis für sie beantragt. Im November kam er dann auch (wir mussten vergleichsweise nicht sooo lange warten). Sie hat 80% und die Merkzeichen G,B und H erhalten. Wir haben damit ein paar steuerliche Vorteile, es gibt ermäßigte Eintritte und kostenlose Beföderung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Durch das Merkzeichen "B", kann auch eine Begleitperson umsonst fahren. Das gilt sogar im ICE 😉


Wir haben außerdem einen Pflegegrad beantragt. Hierfür kam ein Mitarbeiter des MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) zu uns nach Hause und hat ein Gutachten erhoben. Kurz vor Weihnachten kam dann der Bescheid und die Festlegung des Pflegegrads 3. Das ist ein sehr gutes Ergebnis für uns. Man erhält eine monatliches Pflegegeld von der Krankenkasse und einen zusätzlichen Entlastungsbetrag von 125€, der für Unterstützungsangebote wie eine Haushaltshilfe genutzt werden kann. Das find ich total super.


Heute hatten wir unseren ersten Termin im SPZ (Sozialpädiatrisches Zentrum). Dort werden Kinder mit Entwicklungsstörungen, chronischen Krankheiten oder Behinderungen behandelt. Es geht darum, einen geschulten Blick auf die Entwicklung zu haben und somit die bestmöglichen Fördermaßnahmen für das Kind zu finden. Ich hatte ein sehr angenehmes Gespräch mit einem Kinderarzt. Er hat sich viel Zeit genommen und war sehr zufrieden mit der Maus. Bisher habe sie sich sehr gut entwickelt. Dass es mit dem Stillen trotz ihrer Vorgeschichte (Darm-OP, Sondenernährung usw.) klappt, hat er sehr bewundert und gelobt. Insgesamt würde er Miss Motti als ein fittes Kind mit Down-Syndrom einstufen. Das hat mich natürlich sehr gefreut. Er sehe aktuell keine weiteren Fördermaßnahmen als notwendig an (wie z.B. Logopädie).


Für Kinder mit Down-Syndrom gibt es übrigens gesonderte Wachstumskurven. Die hatte ich mir gestern mal ausgedruckt und die Werte der bisherigen U-Untersuchungen eingetragen. Der Arzt hatte sie heute aber auch selbst parat. Hier liegt Miss Motti noch fast im Schnitt, während sie auf den regulären Kurven total unterdurchschnittliche Werte hätte.

Ich bin jedenfalls mit einem sehr guten Gefühl wieder nach Hause gefahren. Natürlich mit Bus und Bahn, ist klar. 😉



Bisher fühle ich mich mit all den Unterstützungsangeboten hier in Deutschland wirklich gut aufgehoben und blicke sehr positiv in Miss Mottis Zukunft!

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Shirt und Hose: Geburtsgeschenk von Leo Löwenkind
Mütze: selbstgestricktes Weihnachtsgeschenk von Oma
Socken: selbstgestricktes Weihnachtsgeschenk von Omas Kollegin


Donnerstag, 4. Januar 2018

DANKBAR

DANKBAR

Das alte Jahr ging zu Ende, ein Neues hat begonnen. 2017 war für mich ein sehr aufregendes, emotionales Jahr. Zeit für mich, zurück zu blicken und dankbar zu sein. Dankbar für meine Lieben, für viele schöne Stunden mit der ganzen Familie und unseren Freunden, für viel Unterstützung von allen Seiten. Dankbar für alles, was mir geschenkt wurde.

Das größte Geschenk war natürlich unsere Tochter. Trotz der schweren Schwangerschaft und der Startschwierigkeiten oder vielleicht auch gerade wegen all dessen, bin ich unheimlich dankbar dafür, dass Miss Motti ein Teil unserer Familie ist. Dass sie wir sie recht schnell mit nach Hause nehmen durften, dass wir stillen können, dass sie jetzt gesund ist, dass sie unser Leben bereichert, auch wenn nicht alles immer einfach ist. Danke, dass du da bist, mein kleines, perfektes Mädchen! Ich habe durch dich schon so viel gelernt und ich sehe, wie gut du uns allen tust. Dein Bruder ist furchtbar verliebt und will am liebsten den ganzen Tag nur mit dir kuscheln. Jeder, der dich kennen lernt, strahlt und ist sofort begeistert von deiner Freundlichkeit und Ausgeglichenheit. Danke mein Mäuschen, dass du dir uns als deine Familie ausgesucht hast und uns täglich zeigst, worauf es im Leben wirklich ankommt.

Und nun meine Lieben, möchte ich mich auch bei euch bedanken. Bei euch allen, die hier mitlesen und liebe Worte hinterlassen. Danke für eure zahlreichen Nachrichten, die mich immer wieder erreichen, eure rege Anteilnahme und vielen Dank auch für eure eigenen Geschichten, von denen ihr mir immer wieder erzählt. Danke für eure Wertschätzung an meinen Handarbeiten und eure Treue. Nach der Geburt von Miss Motti hat euer Zuspruch mir so sehr geholfen, mich aufgebaut und mir gezeigt, dass unsere Gesellschaft durchaus bereit sein kann für das Anderssein. Ich habe bisher nur positive Erfahrungen gemacht und bin so stolz auf Miss Motti, die mit ihrer Geschichte so viele Herzen erwärmt. Danke, dass ihr da seid, ihr wisst gar nicht, wie sehr mich das freut. 💓

Einen besonderen Dank möchte ich heute auch endlich mal an all die lieben Mädels richten, die uns zur Geburt und auch danach mit ihren handgemachten Geschenken überrascht haben. Viele der Sachen warten noch darauf, dass die kleine Dame in sie hinein wächst, aber ein paar Dinge wurden auch schon ausgiebig genutzt.

Kurz nach der Geburt erreichte uns ein kleines Paket mit dem niedlichen mintfarbenen Reh-Shirt. Miss Motti hat es sehr oft getragen, ihr konntet es auch auf dem ein oder anderen Foto/Video sehen. Das Shirt hat Ines genäht und es zusammen mit vielen lieben Zeilen an uns geschickt. Auf der Rückseite des Briefes hat ihre große Tochter ein Portrait von Miss Motti gemalt. Ich hatte noch nicht mal ein Foto von ihr gezeigt und intuitiv hat sie ihre Frisur perfekt getroffen 😀 Ich werde es ihr einrahmen, sobald sie ihr eigenes Zimmer bekommt! Vielen Dank euch beiden. 💓




Im stillen Kämmerchen haben zwei meiner Stammteam-Mädels schon längere Zeit einen geheimen Plan ausgeheckt. Vivi von My Fancywork und Tina von Tina Blogsberg haben nämlich schon vor der Geburt gemeinsam mit meinem Mann einen Überraschungsbesuch geplant. Eines Samstages standen die beiden mit ihren vier Kindern dann plötzlich vor unserer Tür und brachten viel Freude mit in die Wohnung. Wir haben einen tollen Tag verbracht, ganz viel gequatscht und uns endlich mal persönlich kennen gelernt. Im Gepäck hatten sie neben den eigenen handgemachten Schätzen noch Geschenke von Diana (Seekatze), Marion (Sewing Maid), Dominique (Leo Löwenkind), Esther (Nestherz) und Jess (Sewyloo) dabei. Vielen Dank nochmal ihr Lieben, wir müssen das unbedingt wiederholen! 💓


Leo Löwenkind       Tina Blogsberg

Seekatze       My Fancywork

Sewing Maid       Sewyloo

Nestherz


Auch Annika von Näh-Connection hat uns ein süßes selbstgenähtes Set geschenkt. Es kam am gleichen Tag wie der Überraschugsbesuch. Ich bin schon ganz gespannt, ob dein Plan aufgeht und es im Sommer dann passt. Vielen Dank auch dir nochmal! 💓


Schon bald brachte mir der Postbote wieder ein Überraschungspaket. Es stammte von Michaela (Made by Chaosworld) und beinhaltete einen beleuchteten Rahmen mit den Worten „Every life is precious“ (Jedes Leben ist kostbar). Wie recht du damit hast und wie sehr es zu unserer Geschichte passt! Derzeit steht er noch bei uns im Wohnzimmer, er wird aber ganz sicher auch mal Miss Mottis Zimmer schmücken. Vielen Dank dafür. 💓



Als wir am Montag von unserer Weihnachts- und Silvestertour zurückkehrten, erwartete mich erneut eine Überraschung. Ich liebe ja Überraschungen und habe das Paket sofort aufgerissen. 😊 Die liebe Lydia hat uns einen tollen Kalender von Conny Wenk, eine selbstgestrickte Mütze und ein Stöffchen geschickt. Hach, ich habe mich sehr gefreut! Du hast mit deiner Auswahl voll ins Schwarze getroffen. Ich liebe ja Gestricktes und freue mich darüber besonders, da ich selbst nicht stricken kann. Und dann auch noch in blau! Vielen, vielen Dank. Ich hoffe du liest das hier, denn ich konnte dich leider noch nicht persönlich ausfindig machen!


Zuletzt möchte ich natürlich auch allen Schnitt- und Stoffdesignern danken, die mir im letzten Jahr ihr Vertrauen geschenkt und mich mit Material ausgestattet haben. 😊

Wie es im neuen Jahr weitergeht, weiß ich selbst noch nicht so genau. Auf meiner Festplatte schlummert zumindest schon ein neuer Schnitt, aber mehr verrate ich heute noch nicht… ich möchte meine Zeit mit dem Babygirl und dem großen Bruder auf jeden Fall ausgiebig genießen und werde deshalb nicht mehr so viel und häufig zum nähen/arbeiten kommen. Ihr werden trotzdem regelmäßig von uns hören, wenn ihr das wollt…. auch wenn’s dann „nur“ ein schnelles Handyfoto oder -video ist! 💓

Montag, 4. Dezember 2017

ICH WÜRDE GERN MAL WIEDER...


Morgens aufstehen, Baby stillen, wickeln und anziehen, dann die erste Physio-Einheit. Frühstück für den Großen machen, Vesperdose für den Kindergarten bestücken, Klamotten rauslegen, mehrmals zum Anziehen auffordern. Zähneputzen, Haare kämmen, beide Kinder warm einpacken. Baby ins Tragetuch, gemeinsam den großen Bruder in den Kindergarten bringen, kleine Einkäufe erledigen. Zu Hause wieder stillen, wickeln und Baby bespaßen. Eine Waschmaschine anstellen. Mittlerweile ist es 11, das Mittagessen muss vorbereitet werden. Baby weint, will wieder an die Brust, das Essen auf dem Herd ist nur halb fertig. Baby stillen, danach ins Tragetuch, essen fertig kochen. Zum Kindergarten laufen, Bruder abholen, kurzer Tratsch mit den anderen Müttern.


Nach Hause, Wäsche in den Trockner, Mittagessen, Baby stillen, wickeln. Zweite Physio-Einheit, danach Nachmittagsprogramm. Kinderturnen, Spielplatz, Freunde treffen oder drinnen spielen. Weihnachtsgeschenke organisieren, mit etwas Glück ein Nähprojekt. Ruck zuck wird es dunkel. Papa kommt heim. Abendessen vorbereiten, gemeinsam Abendessen. Tägliche Diskussionen über's Schlafanzug anziehen und Zähneputzen. Baby stillen, wickeln, Yakari im Fernsehen, dem Großen eine Geschichte vorlesen, Bettzeit. Baby noch wach, letzte Physio-Einheit mit Papa. Wäsche falten. Einschlaf-Stillen, mit viel Glück schläft das Kind gegen 22 Uhr auch alleine.


Mama sitzt völlig fertig auf der Couch und fragt sich: Was hab ich heute eigentlich den ganzen Tag gemacht? Schon wieder Wochenende? Wo sind die letzten Wochen hin?


In letzter Zeit denke ich mir so oft: Ich würde gerne mal wieder... ein bisschen Zeit für mich haben. In Ruhe ein heißes Bad nehmen, Shoppen oder gemütlich essen gehen, mich ausgiebig unterhalten ohne ständig unterbrochen zu werden. Einen ganzen Tag lang nur nähen =)

Kennt ihr das auch? Wie macht ihr das mit mehr als zwei Kindern? Wird das jemals wieder besser? :-D Miss Motti trägt heute die brandneue Eigenproduktion von Tidöblomma. Das erste mal auf Sommersweat. Super weich und kuschlig 💓

 
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Stoff: Tvättbjörn von Tidöblomma
Druckknöpfe: Kappen-Tigersnaps von Tigerlilly
Schnitt: Wickelanzug aus dem Buch "Nähen mit Jersey- Babyleicht" von Klimperklein

Dienstag, 28. November 2017

RARITÄTEN


Wenn man bedenkt, dass Babys mit Down-Syndrom in über 90% der Fälle nicht auf die Welt kommen (dürfen), sind diese Menschen in Deutschland eine echte Rarität. Kein Wunder, dass so viele Menschen Angst davor haben oder schlichtweg gar nichts über das Down-Syndrom wissen. In vielen Köpfen geistern veraltete Schauer-Vorstellungen aus einer Zeit, in der behinderte Kinder am Rande der Gesellschaft standen und keinerlei Förderung erfuhren.


Ich empfinde es deshalb als ganz wichtig, mehr Aufklärung zu betreiben und zu zeigen, dass das Leben mit einem „besonderen“ Kind (ich weiß, unsere Kinder sind alle besonders, aber ich mag das Wort „behindert“ einfach nicht) keineswegs weniger lebenswert ist. 


Deshalb erzähle ich euch so viel von unserer Geschichte, zeige euch Einblicke in unseren Alltag und in die Fortschritte, die Miss Motti täglich macht. Zeige euch, was es tatsächlich bedeutet, ein Kind mit Down-Syndrom zu haben. Momentan bedeutet es nämlich einfach nur kuscheln, stillen, üben, große Freude über kleine Fortschritte und natürlich ganz viel Liebe. Ich könnte dieses kleine Mädchen rund um die Uhr knuddeln und abknutschen. Sie ist einfach sooo niedlich. 💗




Zum Thema Aufklärung gehört es für mich auch, immer mal wieder etwas über die Symptome des Down-Syndroms zu erzählen. Ein typisches Merkmal ist zum Beispiel der Minderwuchs. Menschen mit Down-Syndrom wachsen langsamer und werden im Schnitt auch nicht so groß wie Menschen ohne DS. Für uns bedeutet das erst mal, länger ein kleines Baby zu haben. Und für eine nähende Mama bedeutet das wiederum, dass die gefertigten Klamotten länger passen! =)


Das trifft sich vor allem dann gut, wenn man eine solche Rarität wie diesen Stoff vernäht - ein Mischgewebe aus Wolle und Seide. Wolle ist von Natur aus selbstreinigend und wirkt antibakteriell. Sie wird deshalb auch von Allergikern und Menschen mit Neurodermitis gut vertragen. Der Seide-Anteil sorgt für ein angenehm weiches Tragegefühl und wirkt außerdem temperaturausgleichend. Den feinen Stoff findet ihr bei Danisch Pur als Meterware. Dort gibt es sogar fertig zugeschnittene Einfassstreifen.


Damit der tolle Body noch länger passt, habe ich die Ärmel und auch den Latz zwischen den Beinen etwas verlängert und mit einer zweiten Knopfleiste ausgestattet. Ich bin gespannt, wann sie da rauswächst =)


Gibt es denn etwa, was euch ganz besonders interessiert über das Down-Syndrom? Lasst es mich wissen!
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Stoff: Pusteblumen von Danisch Pur
Schnitt: Raglanbody von Klimperklein (Buch „Nähen mit Jersey - babyleicht“)
Druckknöpfe: Tigersnaps von Tigerlilly
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Verlinkt bei Creadienstag und Kiddikram

Donnerstag, 23. November 2017

STILLEN IST LIEBE


Erinnert ihr euch noch an meinen Beitrag über Erwartungen in der Schwangerschaft? Eine dieser Erwartungen, nein, eigentlich eine Selbstverständlichkeit, war für mich auch, dass ich meine Tochter stillen wollte. Ich hatte schon bei Motti den Luxus genossen, immer und überall wohltemperierte Milch dabei zu haben und keine Flaschen spülen und abkochen zu müssen. Motti und ich hatten zwar auch unsere Startschwierigkeiten, aber diesmal würde natürlich alles besser werden, denn ich war ja jetzt erfahren. Dachte ich mir so.

Als ich damals in der Schwangerschaft anfing, über das Down-Syndrom zu recherchieren, stieß ich unter anderem auch darauf, dass Babys mit Down-Syndrom aufgrund ihrer Muskelhypotonie (darüber habe ich hier schon mal berichtet) oft nicht die Kraft hätten, zu stillen. Manche Zungen behaupteten sogar, diese Babys könnten das nicht. Das war für mich erst mal ein Schock. Denn auf eine erneute innige Still-Beziehung, das kuschlige Gefühl und die Nähe zwischen Mama und Kind hatte ich mich doch schon so sehr gefreut. Ich belas mich ganz viel und fand dann doch einige Geschichten über Mütter, die trotz hypotonem, schläfrigem Kind irgendwann voll stillen konnten. Also nahm ich mir fest vor, es zu versuchen, geduldig zu sein und nicht zu schnell aufzugeben.
Als sich dann herausstellte, dass Miss Motti aufgrund ihrer Fehlbildung am Darm bis zur OP gar nicht selbstständig trinken und ausschneiden wird und nach der OP erst mal über eine Magensonde ernährt werden würde, sah ich unsere Felle davon schwimmen. Ganz habe ich die Hoffnung allerdings nie aufgegeben und das war auch gut so.


Miss Motti bekam etwa 5 Tage nach ihrer Operation das erste Mal ein Fläschchen angeboten. Sie machte das sehr gut und schaffte von Tag zu Tag mehr (wir reden hier von anfänglichen 5ml!). Irgendwann durfte ich sie dann auch endlich anlegen. Von dem Zeitpunkt an, habe ich sie immer zunächst an der Brust trinken lassen und anschließend mit abgepumpter Muttermilch aus der Flasche nachgefüttert. Was sie aufgrund ihrer Schläfrigkeit nicht schaffte, wurde anschließend noch sondiert.
Als Miss Motti sich ausreichend von ihrer OP erholt hatte, ging es irgendwann nur noch darum, dass sie ihre Trinkmenge schaffen musste. Allerdings schlief sie beim Saugen sehr schnell ein, sodass sie oft nur 30-40ml schaffte. Ich wollte aber unbedingt die Sonde loswerden, sodass ich versuchte, tagsüber zu jeder „Fütterungszeit“ vor Ort zu sein und die Trinkmenge mit viel Geduld zu steigern. Die Maus schlief in meinen Armen immer innerhalb weniger Minuten ein, sodass ich mir viel einfallen lassen musste, um sie zwischendurch wieder zu wecken und weiter füttern zu können. Irgendwann war es endlich so weit und sie wurde von der Intensivstation auf die Überwachsungsstation verlegt. Ich durfte dann auch die Nacht bei ihr verbringen und schlief auf einer Klappliege neben dem Wärmebettchen. Okay, von Schlafen kann nicht die Rede sein, denn wenn man die Milch zunächst abpumpen muss, anschließend ein schläfriges Kind an die Brust legt, mit der Waage immer wieder die Trinkmenge kontrollieren muss und den Rest dann per Flasche in das erschöpfte Kind „stopft“, bleibt für die Mama kaum Zeit zu schlafen. Ich sage euch, das war eine seeeeeehr anstrengende Zeit! Aber wir schafften es tatsächlich irgendwann, die nötige Tagesmenge zu erreichen und wurden nach 18 Tagen Krankenhaus endlich entlassen.


Zu Hause angekommen hatten wir dann endlich die nötige Ruhe, um die Trinkmenge an der Brust zu steigern und das Abpumpen und Nachfüttern langsam zurück zu fahren. Hierfür benötigte es noch weitere 4 Wochen Geduld. Irgendwann ließen wir die Flasche dann auf Anraten der Nachsorge-Krankenschwester einfach weg.
Miss Motti nimmt immer noch sehr langsam zu, braucht lange beim Trinken und möchte mindestens alle 2-3 Stunden an die Brust. Dafür schläft sie dann die ganze Nacht durch. 🙌
Ich genieße unsere gemütliche Stillzeit so sehr, freue mich immer wieder darüber, die Flasche losgeworden zu sein und bin stolz auf uns beide, dass wir nicht aufgegeben haben!

 
Wenn man so häufig stillen muss, ist es unerlässlich, praktische Kleidung dafür zu haben. Gerade bei dem Wetter will ich mich nicht komplett ausziehen, um an die Brust zu kommen. Der Tallinn-Sweater ermöglicht einen schnellen „Zugriff“ und ist trotzdem schön kuschlig warm. Ihr bekommt den Schnitt ab heute bei Näh-Connection für eine Woche lang 15% reduziert! Der kuschlige Bio-Doubleface-Jacquard stammt vom Stoffbüro, danke nochmal an Catrin für die liebe Beratung!

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Heute mache ich endlich mal wieder bei RUMS mit.

Mittwoch, 22. November 2017

SPIELERISCH FÖRDERN


Kinder mit Down-Syndrom sind oft sehr hypoton. Das heißt, dass ihre Muskelstärke und Muskelspannung von Geburt an reduziert sind. Das führt dazu, dass die motorische Entwicklung langsamer abläuft und sich die Kinder für viele Entwicklungsschritte mehr anstrengend müssen als Kinder ohne Down-Syndrom.


Um Miss Motti bestmöglich zu unterstützen, bekommt sie deshalb schon seit kurz nach der Geburt Physiotherapie. Besonders wichtig sei es für alle weiteren Entwicklungsschritte, die Rückenmuskulatur zu stärken und das kann sie zum Beispiel in der Bauchlage gut trainieren. Miss Motti ist dabei sehr geduldig und macht beim Köpfchen halten auch immer bessere Fortschritte. Das hab ich bei Facebook ja schon mehrfach auf Videos demonstriert. 😉



In unserer letzten Therapiestunde ging es darum, langsam das "Greifen" anzuregen. Hierfür sollen wir immer wieder mit Spielsachen ihre Hände "ausstreichen", damit diese sich öffnen und ihr Spielzeug anbieten, das sich leicht greifen lässt (wie zum Beispiel den O-Ball).


Zur Unterstützung für das Spielen in Bauchlage habe ich ihr dieses Kissen genäht. Mit ein paar Schlaufen versehen, kann hier Spielzeug befestigt werden, das dadurch auch bei wilderem Spiel nicht außer Reichweite rollt.


Das Kissen eignet sich außerdem prima dazu, das Baby seitlich zu lagern. Miss Motti hat nämlich eine Lieblingsseite und dem möchten wir gerne etwas entgegen wirken. Gibt sonst einen asymmetrisch platten Hinterkopf...


Den Schnitt habe ich selbst entworfen und ihr seht hier den Prototypen. Ich arbeite gerade schon mit einem kleinen Team daran, ihn zu digitalisieren, um ihn euch als Freebook in meinem Shop zur Verfügung zu stellen! Kann man natürlich auch schön als Geschenk zur Geburt nähen. 😊 Ein paar Tage brauchen wir aber noch!
 
Ich wünsche euch eine schöne Woche! 💓

Sonntag, 12. November 2017

KOMM, WIR KÄMPFEN!


Wenn es um das Thema Kindererziehung geht, gibt es wahrscheinlich endlos viele Meinungen zu endlos vielen Themen und darüber, was richtig und falsch ist. So sicherlich auch zum Thema Kinderspiel und -spielzeug. Mir war immer wichtig, dass Motti nicht schon bei der Auswahl des Spielzeuges in Geschlechterrollen gedrängt wird, weswegen ich versucht habe, ihm möglichst viele verschiedene Spielsachen anzubieten. Neben Bau- und Konstruktionsspielen, die ja für Jungs eher als "typisch" angesehen werden, hat er deshalb auch eine Kinderküche, einen Puppenwagen mit Puppe, Bastel- und Maluntensilien und ähnliches, das man vielleicht eher in die Kategorie "Mädchenspielzeug" einordnen würde. Er sollte selbst entscheiden, was ihm gefällt und spielen, womit er möchte. 


Eine zeitlang war das alles dann auch mal interessant, aber wie ihr sicherlich wisst, sind wir Eltern nicht die einzigen, die unser Kind erziehen. Spätestens im Kindergarten werden Kinder nämlich auch von den anderen Kindern und deren Meinungen geprägt. Das ist ein wichtiger und ganz natürlicher Prozess. Nur manchmal passieren dann auch Dinge, die man als Mama (und Papa) vielleicht selbst garnicht befürwortet.


Ich zum Beispiel bin kein großer Fan von Spielzeug-Waffen und davon, sich im Spiel zu bekriegen. Trotzdem hat es nach Eintritt in die Kita garnicht lange gedauert, bis sich der erste Finger auf mich richtete und mich erschoss. Puh. Wie halte ich das denn jetzt von meinem Kind noch fern, hab ich mich gefragt? Heute weiß ich: Garnicht. Wir können nicht alles von unseren Kindern fern halten, was uns nicht gefällt.



Ich bin nach wie vor kein Fan von Kampf-Spielen, mein Sohn jedoch schon. Im Kindergarten bekriegen sich die Ninjas mit ihren verschiedenen Kräften, ganz hoch im Kurs stehen aktuell auch die Nexo Knights und ihre Waffen (Lego-Fan-Eltern kennen sich vielleicht aus). Der Laternenstab wird zum Schwert umfunktioniert, der eingesammelte Stock ist eine Pistole, mit der Diebe gejagt werden. Und immer wieder hört der Papa am Abend: "Komm, wir kämpfen".


Wir haben jetzt schon öfter über das Thema Krieg gesprochen, denn irgendwie scheint es Motti zu beschäftigen und es ist mir auch wichtig, dass er weiß, was "Kämpfen" auch bedeuten kann. Er weiß, dass Krieg etwas Schlimmes ist und es scheint ihn auf gewisse Weise auch zu ängstigen. Deshalb erklärt er mir immer wieder "Aber Mama, wir spielen doch nur". Und ich denke mir mittlerweile: "Was soll's, lass ihn spielen, das gehört anscheinend einfach dazu".
 
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Schnitte: Bimaa-Sweater von Näh-Connection, Mottis Jeans slimfit von mir, Coole Kappe von Klimperklein
Stoff: Mellow von Mamasliebchen